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Medizin

Anthroposophische Medizin ist eine Medizin für den individuellen Menschen. In die Diagnostik bezieht sie Fragen nach der Befindlichkeit des Körpers ebenso ein wie solche nach der Psychosomatik und der sozialen Dimension. Scheitern und Erfolg in der Biographie, die Beziehung zur Welt ganz generell, zu Familie, Beruf und Gesellschaft spielen eine wichtige Rolle. In der Therapie werden all diese Faktoren berücksichtigt und in das Spektrum der Behandlung einbezogen. Insofern ist sie eine Ganzheitsmedizin.

Sie nimmt eine interessante Mittelstellung ein zwischen den sogenannten alternativmedizinischen Therapierichtungen, die zumeist in altüberlieferter Spiritualität wurzeln, und dem naturwissenschaftlich orientierten Medizinsystem der Gegenwart.

Zur Anthroposophischen Medizin gehören die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente. Die Herstellung und der Vertrieb erfolgen durch mehrere international tätige pharmazeutische Unternehmen. Ihre Zulassung wird heute allerdings durch gesetzliche Bestimmungen, kosten- und zeitaufwendige Verfahren zunehmend erschwert.

Die ärztliche Tätigkeit wird in der Anthroposophischen Medizin durch ein spezifisch anthroposophisches Behandlungsspektrum aus Pflege, Physiotherapie, Heileurythmie, künstlerischer Therapie, Biographiearbeit und Gesprächstherapie ergänzt.

Krankheit kann im Kindes- wie im Erwachsenenalter als Entwicklungs-chance begriffen werden. Viele Menschen, die sich auf einen solchen Umgang mit der Krankheit eingelassen haben, entdecken, dass sie sich ihr nicht unterwerfen müssen, sondern eine Bereicherung durch sie erfahren, sie überwinden können. Medizin kann zur Kunst werden, wenn das individuelle Verhältnis zwischen Patient, Arzt, Therapeut und Medikament stimmt.

Literatur
- Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27, Dornach 1991
- Michaela Glöckler u.a., Anthroposophische Medizin, ein Weg zum Patienten, Stuttgart 1999

www.goetheanum-medizin.ch

 

«Der Besuch bei einem anthroposophischen Arzt ist ein Besuch bei jemandem, der mich auf meinen Weg hinweist und begleitet. Dazu gehören die Lebensumstände, Familie, Kollegen. Erst danach kommen unterstützende medizinische Stoffe. An erster Stelle stehen therapeutische Maßnahmen, die ich aus mir heraus entwickeln kann und die mich und meine Sinne stärken.»
Konstantin Adamopoulos, Kunstkurator und -kritiker, Patient bei einem anthroposophischen Arzt

«Gesundheit und Krankheit entscheidet sich an der Freiheitsfrage. Ein Mensch, der sich frei fühlt, ist gesund, auch wenn er körperlich oder seelisch mit Problemen behaftet ist ... Deswegen ist die hohe Kunst der Medizin die Prävention, die Krankheitsvorbeugung, die Salutogenese, die tätige Übereinstimmung mit sich selbst durch Arbeit an einem befriedigenden Selbst- und Weltbild.»
Michaela Glöckler, Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum

«Vor der Naturwissenschaft sind alle Menschen gleich. Was aber Erfolg in der Heilung ist, kann man nicht dadurch definieren, dass man sagt: der eine Patient ist genauso gesund geworden und wiederhergestellt wie der andere.»
Christian Schikarski, Chefarzt der Intensivrehabilitation am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke