Geld – Kapital – Initiative
Wenn man den Menschen ernst nimmt, muss ihm das Kapital dienen – und nicht umgekehrt. Anthroposophisch orientierte Banken versuchen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, einerseits den Anlegern eine ethisch, sozial und ökologisch vertretbare Geldanlage anzubieten, andererseits Initiativen und Einrichtungen mit Krediten zu finanzieren, die aus Idealen arbeiten. Ideale sind nicht dafür da, verwirklicht zu werden. Aber sie sind sind der Antrieb, das eigene Arbeitsgebiet besser, menschlicher und nachhaltiger zu gestalten.
Der bewusste Umgang mit Geld, also das Interesse für die Folgen des Kapitaleinsatzes, führt in den meisten Fällen nicht zu mehr Rendite, aber möglicherweise zu Entdeckungen. Kaum etwas steht dem modernen Menschen näher als sein Geld. Wer es bewusst einsetzt, ist mit seinem Interesse unmittelbarer beteiligt. Orientiert sich das Interesse am Wohl der Menschen, entstehen neue Verbindungen, Mitverantwortung, Freude an den Gestaltungsmöglichkeiten – Moralität.
In der Bank geht es immer um Leihen – in den anthroposophischen Bankzusammenhängen auch um Schenken. Schenken ist die schönste Form der Anteilnahme, da sie die Freiheit des Beschenkten nicht einschränkt, ihm aber die Basis gibt für eigene Aktivität, weil sie Vertrauen und den Mut stärkt, neue Wege zu beschreiten.
Ein Dutzend anthroposophisch orientierter Bankeinrichtungen (Bilanzsumme: 2 Mrd. Euro) und zahlreiche Stiftungen arbeiten heute auf drei Kontinenten. Sie implantieren Maßstäbe im Geldverhalten und zeigen, dass nicht nur Ausbeutung und Profit, sondern Mitmenschlichkeit, verträgliche Wirtschaftsformen sowie nachhaltige Einrichtungen möglich sind.
Literatur
- Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, GA 340. Dornach 2002
- Michael Bockemühl, Rolf Kerler, Gemeinschaftsbank. Neue Formen im Umgang mit Geld, Stuttgart, 1985
- Rolf Kerler, Was hat Geld mit mir zu tun, Dornach, 2000

