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Naturwissenschaft

Der Komfort heutiger Zivilisation wird einer Naturwissenschaft verdankt, die seit 300 Jahren immer nachdrücklicher danach gefragt hat, wie die Welt für den Menschen verfügbar gemacht werden kann. Selbst der entlegenste Winkel der Natur ist durch Benennung und Systematik fassbar geworden.

Die anthroposophisch orientierte Naturwissenschaft will diese analytisch-systematisierende Forschung erweitern. Sie nutzt den modernen Goetheanismus, um einen Schritt von der Deskription und technischen Beherrschung des Gewordenen zum Verständnis der Kräfte und Prozesse zu vollziehen, die anorganische und organische Formen bilden. Es handelt sich um einen Paradigmenwechsel, in dem der Forscher die Anteilnahme an dem Gegenstand seines Interesses so steigert, dass er im Mitvollziehen – beispielsweise von Wachstumsgebärden eines Organismus – vom Zuschauer zum Teilnehmer wird. In dem Maße, in dem er selbst seinem Gegenstand verwandt wird, lernt er dessen Sprache verstehen. Sprechen lernt er sie, wenn er mit den Handlungsgesten, die ihm in Stoffen und Prozessen entgegenkommen, tätig wird – er wird zum Erfinder.

Diese Art der Naturwissenschaft hat, wenn auch bisher in bescheidenem Umfang, einerseits zu neu entwickelten Stoffen und Präparaten geführt. Andererseits trägt sie zu einer notwendigen Orientierung und Sinnstiftung in einer Zeit bei, die in wachsendem Maße mit den verheerenden Konsequenzen technischer Zivilisation zu kämpfen hat.

Literatur
- Rudolf Steiner, Grenzen der Naturerkenntnis, GA 322, Dornach, 1981
  Wolfgang Schad (Hg.), Goetheanistische Naturwissenschaft:
- Bd. 1 Allgemeine Biologie, Stuttgart 2001
- Bd. 2 Botanik, Stuttgart 1982
- Bd. 3 Zoologie, Stuttgart 2001
- Bd. 4 Anthropologie, Stuttgart 1999
- Bd. 5 Ökologie, Stuttgart 1998

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«Wer erkennen will, was als schaffender Gedanke in der Welt wirkt und nicht seine eigene Theorie bilden will, stellt sein Denken nur zur Verfügung. Freilich muss man gründlich beobachten und viele Einzelheiten erinnern können. Der Einfall aber, der innerlich als Licht erlebt wird und den Sinn der Einzelheiten erkennt, erfolgt blitzartig. Darauf meditativ ruhend kann man jede Einzelheit, die Grundlage dieser Ideenbildung ist, aufrufen und den Sinn der Sache prüfen. Es ergibt sich die innere Sicherheit, dass die Idee nicht ausgedacht ist.»
Armin Scheffler, Chemiker am Carl Gustav Carus Institut, Öschelbronn

«Durch eine goetheanistische Betrachtung lernen wir, die Natur als Sinneswelt ideengetragen zu lieben – was beispielsweise für die ökologische Frage nachhaltige Konsequenzen haben kann. Darüber hinaus bietet Naturwissenschaft eine hohe methodische Schulung, die einen besonderen Wert für die meditaive Praxis der Anthroposophie hat.»
Johannes Kühl, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum