10. Anthroposophische Erkenntnismethode
Es kann nicht Aufgabe dieser Darstellung sein, die Erkenntnismethoden der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft im Einzelnen zu beschreiben. Hier nur eine kurze Charakterisierung.
Kennzeichen des etablierten Wissenschaftsbetriebes ist das Streben nach Objektivität. Die modernen Wissenschaften glauben, objektives Wissen nur unter Ausklammerung des erkennenden Subjektes erlangen zu können. In Wahrheit ist aber das erkennende Subjekt mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit Quelle aller Objektivität. Die Ausklammerung des erkennenden Subjektes führt konsequent zur Ausklammerung der Wirklichkeit des Seelisch-Geistigen, das nur am Subjekt und durch dieses beobachtet werden kann. Ein „objektiver” Zugang von außen zur Wirklichkeit von Seele und Geist ist nicht möglich, weil das erkennende Subjekt in die Tiefen seines seelischen und geistigen Lebens hinabtauchen muß, um Seele und Geist in ihrer Wirklichkeit erfassen zu können. Das erkennende Bewußtsein kann aber Verfahrensweisen ausbilden, die ebenso strenge Kontrollen ermöglichen und vor Fehlurteilen und Illusionen schützen, wie die in den experimentellen oder philologischen Wissenschaften üblichen Verfahren. Nur wenn das erkennende Bewußtsein in die Wirklichkeit der eigenen Seele und des eigenen Geistes erfahrend eintaucht, kann es zu einer Anschauung der Wirklichkeit von Seele und Geist gelangen. Diese Erfahrung der Wirklichkeit der Seele und des Geistes am eigenen Subjekt eröffnet auch einen Zugang zu dem subjektunabhängigen Seelischen und Geistigen, das in der Welt wirksam ist, sei dies in den Naturreichen oder auf übernatürlichen Schauplätzen.
