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Pädagogik

Dass Erziehung und Bildung das Fundament jeder Gesellschaft sind und dass von ihnen ihre Zukunftsfähigkeit abhängt, ist heute im Bewusstsein der Zeitgenossen angekommen, weltweit. Waldorfpädagogik achtet darauf, dass bei der Vorbereitung des Kindes auf die Anforderungen hochtechnisierter Lebenswelten das Menschliche nicht verloren geht. Sie will – abgelesen an den charakteristischen Momenten jedes Lebensalters – ein Gleichgewicht zwischen Fähigkeiten und Kenntnissen schaffen.

Der Mensch beginnt seine Entwicklung nicht erst mit der Geburt. Er bringt aus dem Vorgeburtlichen ein Motiv für seine individuelle Aufgabe wie für seinen Schicksalszusammenhang mit. Diesen ureigenen Lebensentwürfen zur Entfaltung zu verhelfen, ist Ziel der Pädagogik. Es geht darum, dass der junge Mensch seine eigene Identität entdecken und sich aus ihr mit Phantasie und wachsender Verantwortlichkeit gegenüber der Um- und Mitwelt entwickeln kann.

Die Waldorfpädagogik hat sich seit 1919, dem Jahr ihrer Begründung, über die ganze Welt ausgebreitet. Heute wird in etwa 900 Schulen und doppelt so vielen Kindergärten auf allen Kontinenten jeden Tag neu der Versuch unternommen, auf eine Zukunft hin zu erziehen, die noch keiner kennt. Sie ist weder Weltanschauungs- noch reine Methodenpädagogik, sie lässt sich in allen gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnissen realisieren. Sie zielt darauf, Menschen zu dem zu erziehen, was sie selbst sind, und nicht zu dem, was Bildungsprogramme aus ihnen machen wollen. Insofern handelt es sich um eine Erziehungskunst zu Freiheit und Verantwortung.

Literatur
Rudolf Steiner, Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst, GA 305, Dornach 1991
Freunde der Erziehungskunst (Hg.), Waldorfpädagogik weltweit, ein Überblick über die Entwicklung der Waldorfpädagogik sowie der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie, Berlin 2001
Stefan Leber u.a., Die Pädagogik der Waldorfschule und ihre Grundlagen, Darmstadt 1992

www.waldorfschule.de



«Das Künstlerische in der Erziehungskunst ist, dass der Lehrer seine Methodik und Didaktik aus der Arbeit mit den Kindern entwickelt und keinen fremden Vorgaben folgt. Dafür ist es notwendig, dass man selber in Entwicklung bleibt.»
Christof Wiechert, Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum

«Es geht nicht um den funktionierenden Menschen, sondern um sein Wesen und seine eigene Persönlichkeit. Es ist eine elementar christlich geprägte Pädagogik, und doch ist sie unabhängig von Religionen.»
Anke Titze, Waldorflehrerin

«Die Kunst hebt das Materielle auf die Ebene einer Idee. Das ist auch die Essenz der Waldorfpädagogik, dass ich durchtauche durch das, was mir zunächst einmal die Kinder entgegentragen, indem ich mich in die Gebärde des Kindes einfinde und da heraus wie zu einem Bild komme. Das erfordert, dass man sich darin schult. Die Anthroposophie gibt mir die Chance dazu. Sonst verfängt man sich als empathiefähiger Zeitgenosse in Spekulationen und Moralisierendem, kommt dem Kind gegenüber in eine andere Realität und hat aber keine Netzhaut dafür.»
Anna Seydel, Dozentin an einem Waldorflehrerseminar